Einschlafen – Schlafen – Durchschlafen

„Seit nun fast vier Wochen üben wir schlafen. Schlafen ist DAS Thema schlecht hin, nichts bewegt die jungen Eltern mehr, na gut abgesehen von Beikosteinführung, der Entwicklung des Kindes, der …“

So begann der Post, den ich vor mehr als einem Jahr, Anfang September um genau zu sein, zu dem Thema schreiben wollte und dann nicht mehr weiterverfolgt habe. Warum wird sich vielleicht manche/r fragen. Weil es einfach zu anstrengend war, die Antwort von mir darauf.

Ich möchte an dieser Stelle alle Eltern endlich mal etwas loswerden:

Lasst euch bitte von niemandem erzählen das euer Kind ja schon alt genug ist um selbst einzuschlafen, zu schlafen und auch allein durchzuschlafen. Genauso möchte ich auch appellieren, endlich mal die Wahrheit zu sagen und nicht betreten zu schweigen, wenn das eigene Kind nicht durchschläft oder allein einschläft. Sondern JA zu sagen:

  • Ja es gibt Kinder die haben Schwierigkeiten mit dem Thema Schlafen, meine Vermutung ist sogar, dass es der größte Teil ist und nein das ist nicht schlimm. Schlimm ist nur es hinzustellen als wäre es etwas Abnormales nicht mehr zu können, verzweifelt zu sein und nicht mehr aus noch ein zu wissen.
  • Ja, es gibt seltsamerweise Kinder, die nicht auf Definitionen hören und nicht in Schemata passen wollen – und oje da gibt’s ja auch Erwachsene die nicht in Schemata passen
  • Ja, man hat schon vieles, wenn nicht sogar alles versucht : Ratgeber über Ratgeber gelesen, sich Meinungen von Fachexperten angehört, Unmengen an Süßkram gegessen, geschuckelt, geschaukelt, beruhigt und getäschelt, Händchen gehalten, Füßchen massiert, Liedchen gesungen, Nachtlichter angeschaltet, Platz im Elternbett gemacht, Brei verfüttert, gebadet, … – aber meist hat nichts oder nur wenig davon geholfen.

Und nun mein JA!

Ja, der Nachwuchs hat bis diesen August nicht durchgeschlafen : So haben wir 14 Monate  maximal zwei Stunden am Stück geschlafen, aus jeder Schlafphase wurden wir mit viel Geschrei geweckt und aus dem Bett taumelnd, haben wir versucht dem Nachwuchs zu helfen.

Und Plötzlich war das innerhalb einer Woche vorbei, denn plötzlich konnte der Nachwuchs schlafen und wir endlich auch wieder – zumindest meistens. So war das Einzige was uns wirklich geholfen hat, der Gedanke, dass alles nur eine Phase ist und wir es schaffen (naja und die extra Matratze und Decke neben dem Bett des Nachwuchses haben natürlich auch geholfen).

JA! Der Nachwuchs ist nun fast 1,5 Jahre alt und kann nicht selbst einschlafen, was anstrengend ist, aber es gibt wirklich Schlimmeres.

UND JA! Ich werde es jeder/m erzählen, die/der es hören möchte und ich werde nicht schweigen und es verschweigen. Also bitte redet darüber und macht aus einem scheinbarem Tabuthema, ein Thema über das man sich vernünftig unterhalten und auch mal jammern kann.

Beförderung (1) : Kinderwagen und Tragetuch

Früher oder später müssen sich alle Eltern einmal entscheiden, wie sie ihren Nachwuchs denn durch die Welt transportieren wollen. So komfortabel wie im Mutterleib soll es bitte auf jeden Fall sein: bequem, geschützt, warm und weich. Auch darf keine Sonne und kein Regen an das Kind kommen.

Nun ist das alles aber schier unmöglich, denn man stellt  recht schnell fest, das jede Transportmöglichkeit an ihre Grenzen stößt, möchte man der Gesellschaft (Ärzte, Verwandschaft, etc.) und seiner eigenen Komfortzone gerecht werden.

Der Markt der Produkte an sich ist riesig , die Preise zum Teil horrend und auch die Qual der Wahl ist unendlich.  So wird es uns leicht beeinflussbaren Eltern wie immer nicht leicht gemacht. Bei uns stand jedoch von Anfang an fest, dass wir tragen wollen. Die Wahl fiel schnell auf ein Tragetuch für unterwegs und ein Tragegestell für zu Hause. Erst nachdem der Nachwuchs da war, haben wir uns dann noch für einen Kinderwagen entschieden.

Was kann ich nun nach über einem Jahr Nutzung für die geneigten Leserinnern und Leser zum Besten geben? Genau! Vor- und Nachteile, die auf meiner ganz persönlichen Erfahrung beruhen – sich manchesmal direkt auf das spezielle Produkt oder aber auf die Tragehilfe beziehen, aber meistens doch eher auf die Nutzungsweise:

Zum Kinderwagen (ein Hartan Sprint) lässt sich folgendes festellenKinderwagen

  • Pro
    • das Kind kann immer abgelegt oder abgesetzt werden
    • das Kind kann leichter schlafen
    • man kann Einkäufe ziemlich einfach transportieren, vorausgesetzt der Einkauf hält sich in Grenzen oder man transportiert sein Kind nicht
    • man kann zu zweit oder in ganzen Herrscharen spazieren gehen und jeder kann mal schieben
    • wenn das Kind dann größer ist, kann die Raubtierfütterung einfacher erfolgen
  • Contra
    • der Preis, wenn man nicht gebraucht kauft und / oder ein paar Ansprüche hat
    • braucht viel Platz und Stellfläche (sowohl in Hausfluren als auch in Cafés), so kann eine Anhäufung von Kinderwagen, die Auswahl an Treffpunkt wirklich erschweren
    • man ist häufig auf Hilfe angewiesen, denn Deutschland ist Kinderwagenunfreundlich und Hindernisse (Absätze, fehlende Fahrstühle, enge Restaurantgänge) sind keine Seltenheit,
    • diese Sonnensegel sind der reinste Horror,
    • Regenplanen und Mückenschutz sind zwar toll und sinnvoll, aber sollte das Kind wach und kuckfreudig sein, versperren sie die Sicht
    • zusätzlich zum Kind, das Gewicht des Wagens und der jeweiligen Taschen
    • der Platz für die Einkäufe ist mit Kind im Wagen ziemlich gering, denn dieses süsse kleine Fach unterhalb des Wagens ist zum Verstauen nicht wirklich geeignet

Tragetuch (Storchenwiege, 5,20 m):Tragetuch Albert

  • Pro:
    • braucht wenig Platz,
    • man hat das Kind immer sehr nah bei sich,
    • half bei uns schneller beim einschlafen und hilft immer noch beim beruhigen,
    • man hat immer die Hände für noch wichtigere Dinge frei
    • man ist sehr viel selbstständiger als mit Wagen
    • man wird definitiv stärker, da die Muskeln proportional zur Größe des Kindes wachsen
    • sehr flexibel in der Handhabung
  • Contra:
    • die Länge (da haben wir uns falsch beraten lassen),
    • die Bindeweise (viel Geduld und Übung sind erforderlich),
    • man braucht ein dickes Fell (Sprüche (s. weiter unten), Blicke, etc.),
    • man benötigt für die kalte Jahreszeit passende Jacken oder Cover, die erst angeschafft werden müssen
    • man braucht, wenn man länger unterwegs ist, immer jmd. oder etwas zum Abgeben/Ablegen des Kindes,
    • je größer und agiler die kleinen Lieblinge sind umso schwerer ist das Binden, da sie Bewegungsfreiheit wünschen,
    • kann bei falschem Binden zu Rückenschmerzen führen,
    • essen gestaltet sich als schwierig bzw. bedarf einiger Übung,
    • brunchen und andere Völlerein fallen definitiv aus,   da die Bindung auf Höhe das Magens sitzt, der sich bekanntermaßen ausdehnt bei Befüllung, passt nicht mehr so viel hinein

Sprüche und Anekdoten zum Tuch

  • „Das ist doch total ungesund für die Hüfte“ — nein ist es nicht, wenn man ein paar Dinge beachtet; s. Artikel hier und hier
  • „Weilt das Kind denn überhaupt noch unter uns“ die Sprechstundenhilfe eines Arztes
  • „Ich glaub es atmet nicht mehr“
  • „Das schadet aber ihrem Rücken. Außerdem sind die Kinder doch dann total verwöhnt“
  • „Kriegt das überhaupt noch Luft“ Ja „Sind sie sich sicher“ Ja „Ja wenn sie meinen“
  • „In welchem Monat sind sie denn, wenn man fragen darf?“
  • „Ich würde auch gern noch mal so getragen werden“ eine Omi zu ihrer Freundin
  • „Die hats gut, da wäre ich jetzt auch gern“ Höhöh  .. Püff, Männer!
  • „Ach ist das goldig, darf ich mal anfassen“ Nein… Patsch Patsch „Niedlich, sie werden so schnell groß“
  • Ich bin mit dem Kinderwagen unterwegs, nur leider wollte das Kind nicht im selbigen liegen, also ab ins Tuch. Da meint nun eine ältere Dame an der Haltestelle: „Himmel was machen sie denn mit dem Kind, sie können doch nicht ihre Einkäufe auf dem Kind stapeln, “ Ähh … mach ich doch gar nicht … „Das bekommt ja gar keine Luft mehr“ Das Kind hängt hier im Tuch „Also sowas“ „Hier vorn bei mir“ Irritierter Blick und dann ein verlegen gemurmeltes „Oh, na dann … ich dachte nur, dasss“ … zum Glück kommt manchesmal auch passend die Bahn und man muss nicht antworten.

Wir haben auch noch eine Manduca, jedoch nutzt die, meist nur meine bessere Hälfte. Man kann damit schnell und einfach das Kind tragen, aber  mir persönlich ist es zu unflexibel und ich bekomme davon Rückenschmerzen.  Des Weiteren, finde ich, dass das Kind darin nicht so schön angehockt sitzt, wie im Tuch.

Mein ganz allgemeines Fazit zu den Beförderungsmöglichkeiten ist nun, dass jedes der genannten Mittel seine Berechtigung hat und ich im nachhinein auf keines hätte verzichten wollen. Ich für meinen Teil liebe jedoch das Tuch, verfluche oft die Manduca und habe den Kinderwagen, als Notwendigkeit akzeptiert.

Jeder muss am Ende für sich entscheiden, was einem am meisten liegt und die Möglichkeiten des Leihens von Gegenstände dabei nutzen. Man sollte sich auch im Klaren darüber sein, das es zu den Tragehilfen immer mehr Kommentare geben wird als zu dem Kinderwagen, der als gesellschaftlich akzeptiert gilt.

Lang Lang ist’s her…

Ja, wie die Zeit vergeht. Meiner letzter Beitrag liegt ja nun schon etwas zurück, wir begründen es einfach damit, dass das der Nachwuchs nun wieder zu Hause ist und ich dementsprechend natürlich zu nichts komme. Anders müsste ich mir ja sonst eingestehen, dass ich vielleicht etwas unorganisiert bin und mich treiben lasse. Vom Kind, es sei denn natürlich ein Termin drückt.

So beginnen sich die gemachten Fotos zu stapeln und die Projektliste wird auch immer länger, auch die Rezepte haben Zuwachs bekommen und die Dinge über die man so den ganzen Tag nachdenkt, müssten auch mal wieder niedergeschrieben werden. Ihr seht also, Stoff ist für ganze Romane vorhanden und das mit der Zeit – irgendwie kriege ich es hin, … versprochen! 😉

Krippeneinführung (to be continued)

Der Nachwuchs wächst und wächst, wird älter und älter und die Zeit vergeht so wahnsinnig geschwind, dass man nur verwundert aus dem Fenster schauen kann und den Jahreszeitenwechsel an sich vorbeifliegen sieht. So ist dann auch die Krippeneinführung schneller heran als von uns gedacht.

Damit wir uns noch in ein paar Jahren daran erinnern können und damit auch andere an unseren Erfahrungen teilhaben können, möchte ich in diesem Beitrag sukzessive von unseren ersten Erlebnissen berichten. Vielleicht kann ja auch jemand Tipps und Tricks zum Besten geben oder uns Mut machen, wenn es mal nicht so laufen sollte. 🙂

5.01. (Vorbereitung) : Wir überlegen uns abends am Küchentisch, wie der Tagesbeginn aussehen muss, damit wir es am 7.01. pünktlich (zwischen 8 Uhr und 8:30 Uhr) und tiefenentspannt in die Krippe schaffen. Himmel! Wir merken schnell, dass das Lotterleben nun vorbei ist (5:45 wecken lassen *schauder*) und das wir ganz schön diszipliniert vorgehen müssen.

6.01. (Vorbereitung) : Nach ein wenig spielen, Windel wechseln, frühstücken, anziehen und fürs rausgehen fertig machen, schaffen wir es tatsächlich um exakt 7:16 die Wohnung zu verlassen und in der kalten Morgenluft spazieren zu gehen. Theoretisch hätten wir also sogar den Bus bekommen. Weil das so gut geklappt hat, leisten wir uns beim Bäcker frische Croissants und der Nachwuchs schläft eine Extrarunde, wahrscheinlich vor lauter Aufregung.

7.01. : Der große Tage ist da, heute soll es los gehen. Die Nacht war mal wieder die Hölle (warum hört man eigentlich nie zu, wenn die Leute einen vor der Schwangerschaft darauf hinweisen das Kinder schlecht schlafen – sie weisen einen doch drauf hin oder behalten sie etwa alles für sich?). Der Nachwuchs wird aber dann zur geplanten Zeit, durch Licht und die Stimmen von Mutti und Vati, doch leidlich gut gelaunt wach und alles verläuft nach Plan. Selbst die Entscheidung lieber das Tuch, als den Wagen zu nehmen, zeigt sich als weise, da der Bus überfüllt ist – Schulkinder! Aber ohje, plötzlich biegt der Bus in eine Richtung ab, in die der sonst eigentlich nicht fährt. Nun habe ich also zielgerichte den einen Bus erwischt, der die Linie wechselt. Also an der nächsten Haltestelle aussteigen, zurücklaufen und auf den eigenen Bus warten. Der Zeitpuffer schrumpft. Endlich wieder im richtigen Bus und auf der Fahrt zum nächsten Buswechsel .. . Mist der Nachwuchs, will nun doch schlafen – schlecht gewählter Zeitpunkt, wir sind in 20 Minuten da, so viel Zeit haben wir also für ein 45-minütiges Nickerchen eigentlich nicht mehr – ach du lässt dich nicht überreden – na gut, dann schlaf! … Die Umstieghaltestelle nähert sich, ach da hinten fährt unser Bus, sehr schön … Wieder warten und die Uhr konsultieren … Hmm, das wird knapp, aber wir schaffen das noch. Dann endlich mit nur 15 Minuten Verspätung an der Endhaltestelle angekommen, nur ein kleiner Fußmarsch trennt uns noch von der Krippe, da klingelt mein Handy. „Ja hi, hier ist die Krippe, wo seit ihr denn? Die anderen warten schon … ach ihr braucht noch 15 Minuten. Dann versuchen wir es morgen, die nächsten Kinder kommen dann ja schon um 8:30 Uhr …“ Wie bitte? Du schickst mich wieder nach Hause? Tja da habe ich wohl was falsch verstanden. Und der Fakt, das wir eigentlich eher 7:50 Uhr da sein sollen, um den Nachwuchs noch der Sachen zu entledigen, ist mir dann natürlich auch entfallen. Himmel war (und bin ich eigentlich noch) wütend! Also morgen auf ein Neues, vielleicht dann besser ausgeschlafen!

8.01. – der 1. Tag, die Zweite : wir kommen zu früh in der Krippe an, weil das die einzig mögliche Busverbindung ist, um pünktlich zu sein. Kurz vorm Ziel schläft der Nachwuchs natürlich wieder ein. Am Ziel angekommen ist das Kind gleich wieder wach (schaun wir mal wie lange) und so warten wir dann erst mal 20 Minuten bis es losgeht. Auch nicht schlecht, da haben wir also genügend Zeit zum ausziehen und dann die Jogginghose anziehen – denn unsere Krippe legt wert auf bequeme Kleidung und keine Socken oder Strumpfhosen. Gegen 8 Uhr geht es dann endlich los und wir dürfen uns mit zwei anderen Kindern in den Gruppenraum setzen. In der nächsten halben Stunde werden es noch drei mehr und das Kind wird je weiter die Zeit voranschreitet und je lauter es damit wird, immer nervöser und unruhiger. Sie lässt sich am Ende kaum noch beruhigen, und das obwohl wir nur dasitzen und nichts tun. Okay, ich versuche beim Sitzen noch den Schock zu verdauen, dass mein allein sitzendes, sich aber nicht allein aufsetzen könnendes Kind nicht aufgesetzt wird. Wie bitte? Noch nicht mal ab und zu? Nein, wohl gar nicht. Ohje, da bin ich gespannt, wie das klappen soll, denn ihre Laune ist beim Liegen ziemlich im Keller. Nach weniger als 30 Minuten gehen wir dann wieder und das Kind ist durch, bloss gut das wir noch einen ausgiebigen Spaziergang machen und es sich beruhigt. Ansonsten war das Kind heute sehr müde. Ob es wohl daran liegt?

9.01. – der 2. Tag : heute früh hat alles gut geklappt. Selbst der Öffentliche Nahverkehr hat mitgespielt und wir haben alle Anschlüsse bekommen. Den Kinderwagen lassen wir aber morgen wieder zu Hause, das ist mir zu anstrengend.  In der Krippe hat der Nachwuchs dann auch fast die angepeilten 30 Minuten durchgehalten, bis Hunger und Müdigkeit es übermannt haben. Vorher wurde sitzend gespielt und gesabbert was das Zeug hielt. Abschließen habe das Kind dann in den Kinderwagen gelegt und es ist erst nach 90 Minuten fahren, aufgewacht und war dann auch mal wieder zu neuen Schandtaten bereit.

10.01. – der 3. Tag : wir waren seit 4:45 wach und haben dementsprechend auch pünktlich den Bus bekommen. Der Nachwuchs hat sich während der Fahrt gut beschäftigt und ist dann kurz vorm Ziel friedlich eingeschlafen. Also habe ich noch eine kleine Runde gedreht, um dann mit wachem Kinde die Krippe zu betreten. Sie hat die 30 Minuten gut gelaunt und sitzend verbracht – sie hat sich nur in kurzen Abständen versichert, das ich noch da bin. Selbst das Schäkern mit den beiden Erzieherinnen war schon drin und eine durfte sie auch schon auf dem Arm halten. Also heute alles zur vollsten Zufriedenheit. 🙂

Ein Notfall…

… äußerst dringend, seelisch und Erste-Hilfe-Maßnahmen mussten sofort eingeleitet werden. Was macht Frau also in solchen Momenten, sie greift normalerweise zur Schokolade. Da ich nun aber nicht der Schokoladentyp bin, sondern eher auf Kuchen stehe, musste es ein Schokoladenkuchen werden. Ist es auch!

DerNotfall

Mein persönlicher Notfallkuchen, dazu gibts Eis und wenn es mir ganz schlecht geht auch Sahne (ob Saure oder Schlag, ist Frau egal. Nur Kalorien sind wichtig!).

Das ursprüngliche Rezept für den Seelentröster stammt aus dem Buch „Brownies : einfach schokoladig“ von Linda Collister und nennt sich „Saftige Brownies ohne Mehl“.  Da ich aber fast nie Nüsse zu Hause habe und mir die meisten Rezepten zu süss sind, wurde es auf meine Bedürfnisse angepasst. Damit wären wir bei : 450 g Lieblingsschokolade, 215 g Butter, mind. 200 g Zucker (hängt von der Süsse der Schokolade ab und welchen Zucker man nimmt), 80 g Kakao, 6 große Eier. Nun benötigt man noch 20 min Zeit, in der man die Schokolade mit der Butter im Wasserbad schmilzt (für ganze Schnelle: es geht auch ohne Wasserbad) und das Ganze dann mit dem Zucker, den Eiern und dem Kakao verrührt. Nun nur noch 20-30 min bei 180°C in den Ofen (aber nicht zu lange, der Kern muss noch feucht sein) und dann kann man sich auf dem Sofa zurückziehen und entspannen.

Achja und wenn man den ganzen Kuchen nicht schafft, dann friert man ihn Portionsweise ein und kann einzelne Stücke in der Mikorwelle , bei weiteren Notfällen, schnell auftauen.

Alles nur eine Phase

Nachdem der Nachwuchs nun nach fast 10 Monaten da war und wir rechte entspannte vier Eingewöhnungswochen hinter uns hatten, meinte jemand recht spöttisch zu uns „auch gute Phasen sind nur Phasen“. Wunderbar, sowas hört man gern und die Person sollte recht behalten. Nach exakt vier Wochen fing das Kind an zu schreien. Am Anfang vorzugsweise abends, zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen. Je näher wir dem Ende des Junis rückten, um so häufiger wurde das Schreien auf den ganzen Tag verteilt um dann Anfang Juli, in einer Woche tägliches Dauerschreien zu gipfeln. Nun ja unterbrochen von kurzen Schlaf-, Ess-  und Spielphasen.

Der Besuch bei der Osteopathin erlöste das Kind Mitte Juni zumindestens von den bösen Blähungen, denen bis dato kein Mittel (Anis-Kümmel-Fenchel-Tee, Kümmelzäpfchen, Windsalbe, etc.) zu Leibe rücken konnte.  Interessanterweise spuckt das Kind seit dem noch mehr als vorher und das Schreien wurde leider auch nicht weniger. Vom Kinderarzt hört man dazu nur, dass das Kind Temperament hat und stark wie ein Ochse ist. Den Nerven hilft dieses Wissen aber auch nicht. Was den Nerven wirklich half, war das beruhigende Wesen einer guten Freundin und die starken Arme der Uroma.

Und urplötzlich war es vorbei – also alles doch nur eine Phase? Wir haben schon nicht mehr daran geglaubt und waren umso glücklicher das sie endlich nicht mehr so ausdauernd schrie. Der Schock saß dann, nach einem entspannten und sehr spiel- und schlaffreudigen Wochenende, tief, als der Nachwuchs sich heute früh gegen fünf Uhr in ungeahnte Tonhöhen schraubte. Man bekommt nun gesagt, „nimms doch nicht persönlich, sie meint es nicht so. Sie kann nicht anders.“ Das ist mir gerade vollkommen gleich! Denn ich stehe vor ihr, ich wickle sie und mache sie sauber, ich streichle sie, ich füttere sie, ich bespasse sie und entlocke ihr Laute und MICH schreit sie an. Wenn ich das nicht persönlich nehmen darf – denn irgendwas muss ja falsch gewesen sein, was dann? Aber es ist ja alles nur eine Phase und so drücke ich meinen persönlichen Reset-Button, lege mich zu ihr, schlafe erst mal und dann beginnen wir den Tag noch einmal von Neuem.

Erkenntnis

Nachdem ich vier Stunden gebraucht habe um einen Kuchen zu backen , dessen Zubereitungszeit mit eigentlich maximal einer Stunde Aufwand angegeben wurde, muss ich einsehen, dass sich alles irgendwann und irgendwie ändert. Nicht das mir das nicht vorher schon bewusst gewesen wäre, aber im Alltag mit den vielen Kleinigkeiten und Höhen und Tiefen, gerät diese Bewusstsein jedoch etwas in Vergessenheit.

Und hätte mir jemand vor fast 12 Monaten gesagt, dass das Aufeinandertreffen von Eizelle und Spermium solch intensive und nervenaufreibende Folgen haben würde, dann hätte ich diese Person wahrscheinlich nur ausgelacht. Ich war doch tatsächlich der Meinung, dass alles bleibt wie es ist. Naiv und blauäugig mögen nun Einige denken, aber hinterher ist man ja  immer klüger.

Denn man erkennt erst so nach und nach, das:

  • Nachtschlaf ein sehr kostbares Gut ist und man plötzlich auch im Laufen einschlafen kann
  • Zweisamkeit erstmal hinten ansteht
  • Freizeit eher ein Fremdwort wird
  • unsere Welt nicht ganz so kinderfreundlich ist (Treppen, enge Gänge, Kinderbetreuung, etc.)
  • kaltes und schnelles Essen von Vorteil sein kann um überhaupt Nahrung zu sich zu nehmen
  • man sehr hellhörig wird  und Trommelfelle auch prasseln können
  • Nähenkönnen von Vorteil wäre um dieser unflexiblen Kleidungsindustrie ein Schnippchen zu schlagen
  • die Reinungung eines Sofas gar nicht sooo teuer ist
  • auch 8 kg fassende Waschmaschinen überladen werden können
  • schwarze Kleidung für die eigene Eitelkeit eigentlich nicht förderlich ist, aber da man nicht mehr eitel ist, kann man den Fakt getrost ignorieren
  • es viele Produkte und Informationen zur Aufzucht des Nachwuchses gibt die man nicht benötigt
  • Gespräche über Verdauung und Stuhlgang alltäglich werden
  • alles nur Phasen sind (mal gut mal schlecht)
  • Actionfilme ohne Ton gar nicht so übel sind und Dokus  einen elementaren Teil des Fernsehprogramms ausmachen
  • es Ratschläge gibt die man besser überhört und Tipps, über die man doch besser nachdenkt
  • Ansichten, die man vehement vertreten hat, sich ändern
  • ein Lächeln, ein Blick oder ein Krähen die Welt verändern kann und als Balsam für die Seele wirkt

Am Ende dieser unvollständigen Aufzählung steht bei mir die Einsicht, dass nun jeder Tag etwas Neues und meist Unerwartetes bringt. Und weil es wichtig ist, dass man Erlebnisse richtig verarbeitet,  reihe ich mich mit meinem Schreiben in die hohe Anzahl der bloggenden Mütter, sicherlich aber auch Väter und anderen Verwandten ein und werde über die Entwicklungen des kleinen Mädchens und die sonstigen Erlebnisse  mit ihr (manchmal wohl auch ohne sie) berichten.